Privatanleger stehen zunehmend vor der Wahl zwischen einem ETF und einem aktiv verwalteten Fonds. Beide Anlageformen haben ihre Stärken und Schwächen, daher sollte die Entscheidung nicht dem Zufall überlassen werden. In diesem Artikel zeige ich die spezifischen Unterschiede auf und analysiere Kosten, Risiken und potenzielle Renditen, um zu beurteilen, welcher Fondstyp die spezifischen Bedürfnisse und Ziele des Anlegers besser erfüllt.
Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem aktiv verwalteten Fonds?
Ein ETF, also ein börsennotierter Fonds, ist ein Instrument, das in der Regel einen ausgewählten Marktindex abbildet. Er agiert passiv – er versucht nicht, den Markt zu übertreffen, sondern folgt ihm. Ein aktiv verwalteter Fonds basiert auf der Arbeit eines Teams von Analysten und Managern, die Entscheidungen über den Kauf und Verkauf von Vermögenswerten treffen, um ein besseres Ergebnis als die Benchmark zu erzielen.
Der Hauptunterschied liegt im Ansatz. Ein ETF ändert die Zusammensetzung des Portfolios nicht oft, da seine Aufgabe darin besteht, den Index, z. B. S&P 500 oder MSCI World, abzubilden. Ein aktiver Fonds trifft seine Entscheidungen auf Basis aktueller Analysen, Konjunkturprognosen, Finanzkennzahlen und der Marktlage. Das bedeutet mehr Flexibilität, aber auch ein höheres Risiko für Fehlentscheidungen.
ETFs sind börsennotiert und können in Echtzeit gekauft und verkauft werden. Aktive Fonds haben keine Börsenkurse und werden einmal täglich bewertet. Anleger können zwar Anteile zurückgeben, die Fonds erscheinen jedoch erst mehrere Tage später. Für manche Anleger kann die Liquidität von ETFs ein wichtiges Argument sein.
Welche Kosten entstehen bei ETF-Anlagen?
Einer der größten Vorteile von ETFs sind die niedrigen Verwaltungskosten. Eine passive Anlagestrategie erfordert weder ein aktives Analystenteam noch häufige Portfoliowechsel. Daher liegt die Gesamtkostenquote (TER) für ETFs in der Regel bei 0,07–0,30 % pro Jahr. Das bedeutet, dass ein größerer Teil der Gewinne direkt an den Anleger fließt.
Zusätzliche Kosten können eine Maklerprovision für den Kauf und Verkauf von ETFs sein. Viele Plattformen bieten jedoch bis zu einem bestimmten Handelsbetrag keine Transaktionsgebühren an. Auch der Spread, also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, kann wichtig sein, insbesondere bei weniger liquiden thematischen oder regionalen ETFs.
ETFs erheben in der Regel keine Bearbeitungs- oder Umtauschgebühren, was sie von manchen aktiven Fonds unterscheidet. Alle Gebühren sind in den Fondsdokumenten klar aufgeführt und leicht einsehbar. Kostentransparenz ist einer der wichtigsten Vorteile von ETFs, der insbesondere von langfristigen Anlegern geschätzt wird.
Was sind die Kosten von aktiv verwalteten Fonds?
Aktive Fonds verursachen höhere Kosten, da sie die ständige Einbindung von Spezialisten, Analysen und eine häufige Portfoliorotation erfordern. Die Gesamtkostenquote (TER) solcher Fonds liegt in der Regel zwischen 1,5 % und sogar 3 % pro Jahr. In manchen Fällen fallen auch Performancegebühren an, die die Kosten in Jahren mit guten Renditen erhöhen.
Aktiv verwaltete Fonds können außerdem Bearbeitungsgebühren beim Ein- und Ausstieg aus einer Anlage erheben. Diese Gebühren sind oft versteckt oder in weniger sichtbaren Bestimmungen der Vorschriften versteckt. Darüber hinaus erheben einige Investmentfonds unabhängig vom Anlageergebnis Verwaltungsgebühren, was bedeutet, dass der Anleger diese auch dann zahlt, wenn der Fonds Verluste macht.
Bei langfristigen Anlagen können diese Gebührenunterschiede erheblich sein. Ein Unterschied von wenigen Prozent bei den jährlichen Kosten bedeutet nach etwa zwölf Jahren Tausende Euro weniger auf dem Anlegerkonto. Daher lohnt es sich bei der Wahl eines aktiven Fonds, die Kosten sorgfältig zu analysieren und mit Konkurrenzprodukten zu vergleichen.
Wann bieten aktive Fonds einen Vorteil?
Ein aktiver Fonds kann höhere Gewinne als ein ETF erzielen, wenn der Manager Marktveränderungen präzise vorhersagt und effektive Anlageentscheidungen trifft. Ein solcher Vorteil ist bei weniger effizienten Märkten möglich, beispielsweise in Schwellenländern, bei kleinen Unternehmen oder in Sektoren mit hoher Volatilität. Bei eingeschränktem Informationszugang können das Wissen und die Erfahrung des Managers entscheidend sein.
Auch in Zeiten großer wirtschaftlicher Unsicherheit kann ein aktiver Fonds die bessere Wahl sein. In Krisen, Rezessionen oder bei schnellen Zinsänderungen kann ein aktiver Manager Schutzmaßnahmen ergreifen, beispielsweise durch eine Reduzierung des Aktienmarktengagements oder eine Erhöhung des Anleihenanteils. ETFs, die einem Index starr folgen, bieten diese Flexibilität nicht.
Ein aktiver Fonds kann auch für Anleger eine gute Wahl sein, die Entscheidungen nicht selbst treffen möchten und auf das Wissen eines Spezialisten vertrauen. Für viele ist die psychologische Sicherheit, die mit der Anlage in einem erfahrenen Manager verbunden ist, ein wichtigeres Argument als niedrige Kosten. Allerdings muss man bedenken, dass nicht jeder aktive Fonds den Markt schlägt – Statistiken zeigen, dass die meisten keine besseren Ergebnisse als die Benchmark erzielen.
In welchen Situationen sind ETFs die bessere Wahl?
ETFs eignen sich am besten, wenn Anleger Wert auf niedrige Kosten, Transparenz und Einfachheit legen. Sie eignen sich ideal für eine langfristige und passive Strategie, deren Ziel ein schrittweiser Kapitalaufbau ist. ETFs, die breite Indizes wie den MSCI World, den S&P 500 oder den FTSE All-World abbilden, bieten eine globale Diversifizierung mit minimalem Aufwand für den Anleger.
ETFs bieten zudem hohe Flexibilität. Sie können jederzeit während der Handelssitzung gekauft und verkauft werden. Dies ist besonders wichtig für Anleger, die ihr Portfolio unabhängig verwalten und auf veränderte Marktbedingungen reagieren möchten. Die Möglichkeit, den Kurs genau zu verfolgen und Limit-Orders zu platzieren, sind weitere Vorteile.
ETFs sind langfristig auch steuerlich vorteilhaft, wenn Anleger nicht häufig investieren. Da thesaurierende Fonds keine Dividenden ausschütten, fällt jährlich keine Steuer an. Dadurch kommt der Zinseszinseffekt besser zum Tragen und ermöglicht ein höheres Endergebnis bei einem langen Anlagehorizont.
Welche Lösung ist für Einsteiger besser geeignet?
Für Einsteiger hängt die Wahl zwischen ETFs und aktiven Fonds von mehreren Faktoren ab: Wissensstand, Engagementbereitschaft und Risikobereitschaft. Anleger, die gerade erst anfangen und die Märkte nicht aktiv analysieren möchten, sind möglicherweise mit aktiven Fonds besser beraten. Dies gilt insbesondere, wenn sie Zugang zu Beratung haben oder vorgefertigte Lösungen einer Bank nutzen möchten.
Anleger hingegen, die mehr Kontrolle über ihr Portfolio haben und Kosten minimieren möchten, sollten ETFs in Betracht ziehen. Sie sind transparenter, günstiger und ermöglichen den Aufbau eines eigenen Portfolios aus mehreren Fonds. Allerdings erfordern sie ein Depot und Kenntnisse der Grundprinzipien des Aktienmarkts.
Ein guter Kompromiss kann die Kombination beider Ansätze sein. ETFs können die Basis eines langfristigen Portfolios bilden, während aktive Fonds eine ergänzende Rolle spielen, insbesondere in schwierigeren Marktsegmenten. Eine solche Strategie vereint die Vorteile beider Welten und ermöglicht eine Diversifizierung nicht nur geografisch, sondern auch verwaltungstechnisch.
Zusammenfassung: ETF oder aktiv verwalteter Fonds?
Die Entscheidung zwischen ETF und aktivem Fonds sollte sich an der jeweiligen Strategie, dem Anlageziel und den Anlegerpräferenzen orientieren. ETFs bieten niedrige Kosten, hohe Transparenz und einfache Verwaltung, erfordern aber ein höheres Engagement. Aktive Fonds bieten Unterstützung durch Spezialisten und einen flexiblen Marktansatz, verursachen aber höhere Kosten und erzielen nicht immer bessere Ergebnisse. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Wahl einer Anlageform, sondern in der bewussten Nutzung ihrer Möglichkeiten und deren Anpassung an die eigenen Bedürfnisse und den Anlagehorizont.
Anton Decker
